Vielfalt auf dem Acker

20. September 2020, geschrieben von Kirsten

Warum kommt bei HEYHO! nur Bio ins Glas?

Ellenbogenmentalität und immer-mehr-Streben führen in unserer Gesellschaft dazu, dass Menschen, die da nicht mithalten können, untergehen und am ersten Arbeitsmarkt kaum mehr einen Platz bekommen. Weil das ein soziales Gesellschaftsbild ist, dass wir nicht unterstützen wollen und weil wir zeigen wollen, dass es auch anders geht, haben wir HEYHO! gegründet.

Eine ähnliche Logik lässt sich auch auf unser Ernährungssystem übertragen. In der industrialisierten Welt ist gut, was günstig ist und gewinnt deshalb, wer mehr in weniger Zeit produziert.  Das heißt im Umkehrschluss: freie Fahrt für Ackergifte, chemische Dünger, und nur die allerschnellsten, ertragreichsten Kulturpflanzen. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass heute nur drei Nutzpflanzen 50 Prozent der Welternährung abdecken (Reis, Mais, Weizen)? Dabei beschränkt sich der Anbau auf immer weniger Sorten.1

Wenn wir von Respekt, als einem unserer drei zentralen HEYHO-Werte sprechen, denken wir auch an unseren Umgang mit der Umwelt und natürlichen Ressourcen. Biologischer Anbau fördert und erhält den natürlichen Kreislauf: mit einer abwechslungsreichen Fruchtfolge, Ruhezeiten zur Erholung und ohne Ackergifte, Gentechnik oder chemisch-synthetischem Dünger. Damit wirkt er sich positiv auf die langfristige Fruchtbarkeit der Böden und die biologische Vielfalt auf den Feldern aus und kann noch dazu unser Grund- und Oberflächenwasser schützen.2,3

Aber Boden ist doch genug da?

Am Beispiel Ackerboden: vermutlich denken nicht wenige, dass der Boden, so wie wir ihn sehen, einfach da ist und auch bleibt und der Landwirtschaft genauso noch ewig problemlos zur Verfügung steht. So ist es aber nicht. „Fruchtbare Böden sind eine begrenzte und nicht erneuerbare Ressource“, schreibt Volker Krause in seinen „9+1 Grundregeln für zukunftsfähiges Wirtschaften“.4 Unter anderem führen Wassererosion und Bebauung jedes Jahr zum Verlust immenser Flächen fruchtbaren Bodens. Dieser Verlust ist meist unumkehrbar (!). Noch dazu können abgetragenes Bodenmaterial und abfließendes Wasser außerhalb der Ackerflächen zu erheblichen Schäden und Kosten führen.5 Einer verantwortungsbewussten Landwirtschaft ist daran gelegen, den Boden gesund zu erhalten. Das heißt: auf eine geeignete Fruchtfolge achten, Humus aufbauende Zwischenfrüchte anbauen, das Bodenleben nicht zerstören und jeden Boden individuell bearbeiten - denn Böden sind von Region zu Region auch noch sehr unterschiedlich.4 Das ist eine Mammutaufgabe, die viel Wissen und Geduld braucht. Die aber (kombiniert mit anderen Strategien) das einzig langfristig tragbare Vorgehen ist.6

Ob nun als Verbraucher oder Unternehmer – wir haben die Wahl. Wir tragen Zukunftsverantwortung! Dass wir ausschließlich mit ökologisch nachhaltigen Produkten arbeiten wollen, ist für uns deshalb eine Grundsatzentscheidung, die fester Bestandteil unseres Selbstverständnisses als Unternehmen ist.

Zusammen macht's mehr Spaß

Wir sind besonders froh, dass wir mit der Bohlsener Mühle einen regionalen (37km von Lagertor zu Lagertor) Partner an Bord haben, der tatsächlich schon seit 1979 aus Überzeugung „Bio macht“. 250 Bio-Landwirte aus der Region beliefern die Mühle. Dass sie damit einen erheblichen positiven Einfluss auf den Ökolandbau in der Region hat, versteht sich von selbst. Und bei HEYHO! bilden die leckeren und unbehandelten Bohlsener Haferflocken die vollwertige Basis für all unsere Granolas. (Außerdem backen sie auch die coolen Kakaomonde, die ihr in unserer Sorte Late Night Breakfast findet – gibt’s übrigens auch als eigenes Produkt der Bohlsener Mühle im Handel zu kaufen.)

Wir sind auch Teil des unbedingt unterstützenswerten Good Food Collective, einem interdisziplinären Zusammenschluss von Konsument*innen, Produzent*innen und Landwirt*innen. Ziel des Kollektivs ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen und Branchengrenzen zu überwinden, im gemeinsamen Einsatz für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem. Jeder Mensch, dem eine faire, nachhaltige Ernährung am Herzen liegt, kann ein Teil dieser Bewegung sein!

Hinterfragen, diskutieren, gemeinsam besser werden

Wir wissen, dass Bio kein Allheilmittel für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und ein zukunftsfähiges Ernährungssystem ist. Studien sprechen sich beispielsweise für einen gleichzeitigen Verzicht auf Kraftfutter in der Tierzucht, eine entsprechende Reduktion des Konsums tierischer Produkte und die Reduktion von Nahrungsmittelabfällen aus, um die Ernährung der Weltbevölkerung auch in Zukunft zu sichern sowie die negativen Auswirkungen unseres heutigen intensiven Ernährungssystems zu reduzieren.6 Auch auf Konsumentenebene gilt es wieder zu einem verantwortungsvollen, bewussteren Genuss zurückzufinden. Biologische Landwirtschaft wird dabei jedoch immer ein Teil der Lösung sein.

Uns ist auch klar, dass Bio nicht um jeden Preis die beste Lösung ist. Zum Beispiel, wo Produkte sehr weite Wege zurücklegen und großangelegter Bioanbau im günstigeren Ausland auch im Biosegment die Preise nach unten treibt. Auch wir sind hier nicht perfekt und haben bei ein paar unserer Rohstoffe noch keine zufriedenstellende, regionale(re) Alternative gefunden. Daran arbeiten wir und tauschen uns regelmäßig mit anderen Unternehmen aus. Wenn Ihr hier noch Vorschläge und Anregungen habt, immer her damit! Wir lernen nie aus.

Ein Thema, das uns in dem ganzen Zusammenhang umtreibt, ist die regenerative Landwirtschaft. Sie hat zum Ziel, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und natürliche Ressourcen aufzubauen, anstatt sie nur zu erhalten oder gar abzunutzen.7 Quasi eine klimapositive Landwirtschaft. Cool, oder? Dafür wollen wir uns in Zukunft noch mehr einsetzen und sprechen schon mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern. Wir halten Euch auf dem Laufenden!  


Quellen:

1 - Welthungerhilfe
2 - Quarks
3 - Bohlsener Mühle
4 - 1000 Mühlen braucht das Land
5 - Bmel
6 - FiBL
7 - Ökolandbau.de

 

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