Los ging's mit Eis

10. August 2020, geschrieben von Christian

Für HEYHO! haben sich die Lebenswege von drei Menschen gekreuzt, die gerade aufgrund Ihrer Unterschiedlichkeit echt gut zusammenpassen. Treffen sich also drei Typen in 'nem Café und beschließen, gemeinsame Sache zu machen... (unsere kleine Gründungsgeschichte, Teil 1).

Stefan, Timm und Christian bei ihrer ersten Biofach Messe

Sommer 2012: Los ging’s mit Eis.

Timm und ich lernten uns 2012 während der gemeinsamen Arbeit für die Eiscreme-Marke Ben & Jerry’s kennen. Dass Ben & Jerry’s noch mehr macht, als nur verdammt leckeres Eis unter fairen Bedingungen zu produzieren, wurde mir spätestens klar, als ich im Rahmen meines Praktikums eine von Ben & Jerry’s initiierte EU-Petition organisierte, die sich für bessere Haltungsbedingungen von Milchkühen in der Europäischen Union einsetzte. Marken mit ehrlicher politischer Haltung haben mich schon immer fasziniert. Irgendwann, völlig aus dem Eis-Kontext gerissen, sprachen Timm und ich mal zufällig über Cornflakes-Packungen von früher. Ihr erinnert Euch? Damals standen oft wilde Geschichten auf den Rückseiten der Kartons. Manchmal Kurioses, manchmal Sportereignisse, oft einfach nur ein bisschen Unterhaltung. Die Idee „Der gute Start in den Tag mit Geschichte“ ließ uns seitdem nicht mehr richtig los. Wie wäre es, wenn man auf einem Lebensmittel eine echte Geschichte erzählen kann, die das Leben von Menschen wirklich besser macht? Eine Idee, die sich rumspricht und andere inspiriert? Was für eine Geschichte müsste das sein?

Da waren also schon mal zwei, die eine echte Leidenschaft für richtig gute Lebensmittel, wertegetriebenes Unternehmertum und ziemlich verrückte Spinnereien hatten. Inspiriert von der großen Frage, welche Verantwortung Unternehmen in der heutigen Zeit eigentlich für die Gesellschaft haben, begannen wir 2015 an einem ersten freien Konzept für einen eigenen kleinen Lebensmittelbetrieb zu arbeiten. Für uns stand von Anfang an fest: die Welt braucht sicher nicht noch das nächste Müsli. Was es braucht, ist eine radikal andere, dem Menschen zugewandte Form des Wirtschaftens. Frühstück für eine bessere Welt! Wir wollten dabei das einzige analoge Medium nutzen, welches Menschen auch in Zukunft immer wahrnehmen werden: Müslipackungen! Die ursprüngliche Idee: Wir erzählen Geschichten von Initiativen, die soziale Gerechtigkeit zum Leben erwecken, backen das passende Müsli dazu, verkaufen dieses und unterstützen die Initiativen mit den Erlösen.
Aber was machten wir im Kern wirklich anders als all die anderen? Es mussten noch ein paar Monate ins ins Land gehen, bis unsere erste Idee durch Stefan erst zu HEYHO! wurde.

Sommer 2015: Stefan kommt ins Boot.

Über die Waldorfschule Lüneburg - genauer genommen auf einer gemeinsamen Klassenfahrt der Kinder - lernten sich 2015 Stefan und Timm kennen. Timm kam irgendwann auf mich zu und meinte: „Lass uns mal mit Stefan treffen, ein interessanter Typ, der in Lüneburg in der Wohnungslosenhilfe arbeitet.“ Gesagt, getan. Sommer 2015 im Café Bell & Beans in Lüneburg. Drei Typen sitzen zusammen, die sich eigentlich gar nicht so richtig kennen, aber direkt eine Verbindung zueinander haben. Wir erzählen Stefan von unseren wilden Müsli-Ideen und fragen ihn, wie seine Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen so ist, die noch nie im Leben eine richtige Chance bekommen haben. Stefan erzählte von dem vielen ungenutzten Potenzial seiner Klientinnen und Klienten aus Lüneburg, die er im Herbergsverein und in den ambulanten Einrichtungen der Diakonie kennengelernt hat. Dann erwähnte Stefan ein Buch, das er gerade las, über den Gründer einer sozialen Bäckerei in den USA, die seit über 30 Jahren sehr erfolgreich Ex-Gefängnisinsassen wieder in die Gesellschaft integriert. Der Gründer dieser Bäckerei, ein Zen-Buddhist, stellt vor allem ehemalige Häftlinge an. Und zwar nach dem „First come, first served“-Prinzip, ganz ohne auf den Lebenslauf zu schauen. "No questions asked": wer arbeiten will, soll hier auch arbeiten dürfen. Die Rede war von der Greyston Bakery im Bundesstaat New York. Diese wiederum ist in den USA der größte Brownie-Lieferant für Ben & Jerry’s, die Marke die Timm damals leitete. Timm erzählte von seinen Erfahrungen mit der US-Bäckerei, dieser radikalen Offenheit und dem Glauben ans Gute im Menschen. Es waren auf einmal einfach zu viele thematische Überschneidungen, um nichts daraus zu machen. Wir fragten uns naiv: Wie wäre es, das Konzept einer sozialen Rösterei einfach zu übernehmen und in Lüneburg eine Müsli-Produktion aufzubauen, die bewusst Teilhabe schafft für Menschen, die aufgrund Ihrer Biographie am Arbeitsmarkt keine Chance haben. Menschen mit Potenzial kannte Stefan genug. Die Idee für HEYHO! war geboren.

 

Zum Shop
Zurück zur Übersicht